Ein klägliches Wimmern aus einem 30 m tiefen Brunnen machte Spaziergänger auf das grauenvolle Schicksal von mir aufmerksam. Man hatte mich und einen meiner Jagdgenossen entsorgt - vermutlich, weil wir für die Jagd nicht mehr tauglich waren.
Ich hatte Glück im Unglück, weil ich bereits der zweite Hund war, der in den ausgetrockneten Brunnen geworfen wurde. Mein Freund überlebte den tiefen Sturz nicht und starb in dem Brunnen.
Ich landete auf ihm - was mir das Leben rettete, denn so wurde der Sturz etwas gemildert. Etwas ! Denn ich zog mir eine grauenvolle Fraktur am Vorderlauf und einige weitere Verletzungen zu.
Im spanischen Tierheim konnte man mir nicht helfen.
Zu teuer wäre die Spezialklinik gewesen. Das konnten sich die dortigen Tierschützer weder leisten, noch hätte man im Tierheim die Zeit für die aufwendige Nachsorge gehabt.
Ich reiste nach Deutschland aus, kam zu einem Knochenspezialisten, der mit einem Implantat helfen konnte. Mein Bein konnte gerettet werden, aber ich werde niemals mehr so normal laufen können wie andere Windhunde !
Heute erhole ich mich auf einem Intensivpflegeplatz von den Folgen
des todbringenden Sturzes. Unter ständiger medizinischer Überwachung heilen die
körperlichen Schäden. Welche psychischen Schäden bleiben, ist noch nicht
ersichtlich. Doch ich gewann neuen Lebensmut. Schritt für Schritt kehrte ich
unter der guten Pflege ins Leben zurück und lernte, dass es nicht nur böse
Menschen gibt auf dieser Welt. Der anfangs total verschüchterte Angstbeißer, der ich war, hat
bereits gelernt wieder zu schmusen.
Auch wenn mein Beinchen nicht gesund gehext werden kann, so ist mein Leben doch lebenswert. Endlich kann ich in Sicherheit schlafen, spielen und
rennen.
Nur, wenn mich Jemand im Genick berührt oder an der Leine führen will, dann zittere ich am ganzen Körper und habe nur Angst. Denn genau dort hatte man mich gepackt und in den Brunnen geworfen.
November 2008
Ich finde, die Bilder sprechen eine deutliche Sprache: der Himmel muss noch auf mich warten!